Gedichte Der Jäger an den Hirten

Durch den Wald mit raschen Schritten
Trage ich die Laute hin,
Freude singt, was Leid gelitten,
Schweres Herz hat leichten Sinn.

Durch die Büsche muß ich dringen
Nieder zu dem Felsenborn,
Und es schlingen sich mit Klingen
In die Saiten Ros‘ und Dorn.

In der Wildnis wild Gewässer
Breche ich mir kühne Bahn,
Klimm‘ ich aufwärts in die Schlösser,
Schaun sie mich befreundet an.

Weil ich alles Leben ehre,
Scheuen mich die Geister nicht,
Und ich spring‘ durch ihre Chöre
Wie ein irrend Zauberlicht.

Haus‘ ich nächtlich in Kapellen
Stört sich kein Gespenst an mir,
Weil sich Wandrer gern gesellen,
Denn auch ich bin nicht von hier.

Geister reichen mir den Becher,
Reichen mir die kalte Hand,
Denn ich bin ein frommer Zecher,
Scheue nicht den glühen Rand.

Die Sirene in den Wogen,
Hätt‘ sie mich im Wasserschloß,
Gäbe, den sie hingezogen,
Gern den Fischer wieder los.

Aber ich muß fort nach Thule,
Suchen auf des Meeres Grund
Einen Becher, meine Buhle
Trinkt sich nur aus ihm gesund.

Wo die Schätze sind begraben
Weiß ich längst, Geduld, Geduld,
Alle Schätze werd‘ ich haben
Zu bezahlen alle Schuld.

Während ich dies Lied gesungen,
Nahet sich des Waldes Rand,
Aus des Laubes Dämmerungen
Trete ich ins offne Land.

Aus den Eichen zu den Myrten,
Aus der Laube in das Zelt,
Hat der Jäger sich dem Hirten,
Flöte sich dem Horn gesellt.

Daß du leicht die Lämmer hütest
Zähm‘ ich dir des Wolfes Wut,
Weil du fromm die Hände bietest,
Werd‘ ich deines Herdes Glut.

Und willst du die Arme schlingen
Um dein Liebchen zwei und zwei,
Will ich dir den Fels schon zwingen,
Daß er eine Laube sei.

Du kannst Kränze schlingen, singen,
Schnitzen, spitzen Pfeile süß,
Ich kann ringen, klingen, schwingen
Schlank und blank den Jägerspieß.

Gieb die Pfeile, nimm den Bogen,
Mir ist’s Ernst und dir ist’s Scherz,
Hab‘ die Senne ich gezogen
Du gezielt, so trifft’s ins Herz.

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Gedichte Der Jäger an den Hirten - Brentano