Gedichte An die kalten Vernünftler

Ich hab‘ was Liebes, das hab‘ ich zu lieb;
Was kann ich, was kann ich dafür?
Drum sind mir die kalten Vernünftler nicht hold;
Doch spinn‘ ich ja leider nicht Seide noch Gold,
Ich spinne nur Herzeleid mir.

Auch mich hat was Liebes im Herzen zu lieb;
Was kann es für’s liebende Herz?
Auch ihm sind die kalten Vernünftler nicht hold;
Doch spinnt es ja leider nicht Seite noch Gold,
Es spinnt sich nur Elend und Schmerz.

Wir seufzen und sehnen, wir schmachten uns nach,
Wir sehnen und seufzen uns krank.
Die kalten Vernünftler verargen uns das;
Sie reden, sie thun uns bald Dies und bald Das
Und schmieden uns Fessel und Zwang.

Wenn ihr für die Leiden der Liebe was könnt,
Vernünftler, so gönnen wir’s euch.
Wenn wir es nicht können, so irr‘ es euch nicht!
Wir können, ach leider! wir können es nicht,
Nicht für das mogolische Reich!

Wir irren und quälen auch Andre ja nicht;
Wir quälen ja uns nur allein.
Drum, kalte Vernünftler, wir bitten euch sehr,
Drum laßt uns gewähren und quält uns nicht mehr,
O laßt uns gewähren allein!

Was dränget ihr euch um die Kranken herum
Und scheltet und schnarchet sie an?
Von Schelten und Schnarchen genesen sie nicht.
Man liebet ja Tugend, man übet ja Pflicht;
Doch Keiner thut mehr als er kann.

Die Sonne, sie leuchtet; sie schattet, die Nacht;
Hinab will der Bach, nicht hinan!
Der Sommerwind trocknet: der Regen macht naß;
Das Feuer verbrennet. – Wie hindert ihr Das? –
O laßt es gewähren, wie’s kann!

Es hungert den Hunger, es dürstet den Durst;
Sie sterben von Nahrung entfernt.
Naturgang wendet kein Aber und Wenn. –
O kalte Vernünftler, wie zwinget ihr’s denn,
Daß Liebe zu lieben verlernt?

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