Gedichte Antwort an Gottfried August Bürger

Ê men emarnasthên eridos peri thymoboroio
Êd aut en philotêti dietmagen arthmêsante.

Diese Helden kämpften aus heißer Begierde des Ruhmes,
Und dann schieden sie wieder mit Freundschaft auseinander.
Homer. Ilias 7.

Fried‘ und Freude dem Sänger zuvor, und traulichen Handschlag!
Sieh, ich habe dein Zürnen vernommen am fernen Gestade,
Hörte den Flügelschlag deines Gesangs; melodische Stürme
Deiner Leier erhuben ihn hoch; ein Riesenadler
Steht er vor mir, mit dräuender Klaue, mit rüstigem Fittich;
Und schon zürnt‘ ich entgegen. Da faßte mich Pallas Athänä
Bei den goldnen Locken; ich wandte mich sträubend; mein Auge
Staunte zurück, vom Blitze der göttlichen Augen getroffen.
Sieh, ich bebte nicht dir; ich bebte der furchtbaren Göttin.
Sie verschwand; da war mir, als atmet‘ ich liebliche Düfte,
Läg‘ am blumigen Hange des Helikon, unter der Kühlung
Wehender Schatten, an Aganippens Silbergesäusel.
Nun erwacht‘ ich, und zürnte nun wieder, und griff zu der Leier.
Aber es hatte die jüngste der Musen die Leier umstimmet,
Das sie nicht tönte, wie sonst, wie Donner, wie Stimmen der Meere,
Sondern wie Lispel des schwankenden Schilfes, wie zärtliche Klagen
Junger Nachtigallen auf blühenden Zweigen der Myrten.
Und mir kehrte die Weisheit zurück; sie pflückte den Ölzweig,
Den ich dir reiche; sie redet durch mich; vernimm und sei weise!

Siehe, zwar kränzen uns Locken der Jugend, doch rauschet der Lorbeer
Über den Locken; es kühlt die Palme den Schweiß an der Stirne.
Früh betraten wir beide den Pfad des ewigen Ruhmes,
Früh erreichten wir beide das Ziel. Auf trotzenden Felsen
Stehn wir, und lächeln entgegen dem Strome der kommenden Zeiten.
Her besuchen uns oft Kronions liebliche Töchter,
Lehren uns oft die eigne Leier beseelen, und bringen
Oft herab vom Olymp die Harfe des Mäoniden.
Laß uns beide das heilige Lied des göttlichen Greisen,
Unserm Volke singen; wir lieben den Göttlichen Beide!

Freund, gehabe dich; wohl! Ich kenne die rufende Stimme,
Höre wiehern die feurigen Ross‘ am flammenden Wagen;
Siehe, mir winket die Mus‘; ich folge der winkenden Göttin!

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