Gedichte Frau Schnips

Ein Märlein halb lustig, halb ernsthaft, sammt
angehängter Apologie.

Frau Schnipsen hatte Korn im Stroh,
Und hielt sich weidlich lecker;
Sie lebt, in dulci Jubilo,
Und Keine war euch kecker.

Das Mäulchen, sammt dem Zünglein flink,
Saß ihr am rechten Flecken.
Sie schimpfte wie ein Rohrsperling,
Wenn man sie wollte necken.

Da kam Hans Mors, und zog den Strich
Durch ihr Schlaraffenleben.
Zwar belferte sie jämmerlich;
Doch mußte sie sich geben.

Sie klaffte fort, den Weg hinan,
Bis vor die Himmelspforte,
Gekränkt, daß sie nicht Zeit gewann,
Zur Letzten Mandeltorte.

Weil nun der letzte Ärger ihr
Noch spukt‘ im Tabernakel,
So trieb sie vor der Himmelsthür
Viel Unfug und Spektakel.

„Wer da, rief Adam unmutsvoll,
Stört so die Ruh der Frommen?“
„Ich bins! Frau Schnips! Ich wünschte wohl
Bei Euch mit anzukommen.“ –

„Du? – Nicht also, Frau Sünderin!
Frau Liederlich! Frau Lecker!“
„Ich weiß wohl selber, was ich bin,
Du alter Sündenhecker!

Ei, zupfte sich Herr Erdenkloß
Doch nur an eigner Nase!
Denn was man ist, das ist man bloß,
Von seinem Apfelfraße.

So gut wie Er, denk‘ ich zur Ruh
Noch Platz hier zu gewinnen.“ –
Der Vater hielt die Ohren zu
Und trollte sich von hinnen.

D’rauf machte Jakob sich ans Thor:
„Marsch! Packe dich zum Teufel!“ –
„Was? schrie Frau Schnips ihm laut ins Ohr,
Fickfacker! Ich zum Teufel?

Du bist mir wohl der rechte Held,
Und bist wohl hier für’s Prellen?
Hast Bruder und Papa geprellt,
Mit deinen Ziegenfellen.“

Stockmäuschenstill trieb ihr Geschrei
Hinweg den Patriarchen.
Hierauf sprang Ehren-Loth herbei,
Mit Brausen und mit Schnarchen.

„Du auch, du alter Saufaus hast,
Groß Recht hier zum Geprahle!
Bist wahrlich nicht der feinste Gast
In diesem Himmelssaale!

Bezecht sich erst beim Abendbrot,
Den Kindern zum Gelächter,
Und dann beschläft Er – pfui, Herr Loth! –
Gar seine eignen Töchter!“

Ha puh! Wie stank der alte Mist!
Loth mußte sich bequemen,
Als hätt‘ er in das Bett‘ gepißt,
Voll Scham Reißaus zu nehmen.

„Na! – lief Relikte Judith hin,
Welch Lärm hier und Gebrause!“ –
„Bonsdies! Frau Gurgelschneiderin!
Sie ist hier auch zu Hause?“ –

Vor großer Scham bald bleich bald rot,
Stand Judith bei dem Gruße.
Der König David sah die Not,
Und folgt‘ ihr auf dem Fuße.

„Was für Hallo, du Teufelsweib?
Potz hunderttausend Velten!“ –
„Ei, Herr, wär‘ ich Uria’s Weib,
Ihr würdet so nicht schelten.

Es war, mein Seel! wohl mehr Hallo,
Mit Bathseba zu liebeln,
Und ihren armen Hahnrei so
Zur Welt hinaus zu bübeln.“ –

„Das Weib ist toll, rief Salomo,
Hat zu viel Schnaps genommen!
Was? Seiner Majestät also – – –
So – – hundsföttsch anzukommen?“ –

„O Herr, nicht halb so toll, als Er!
Hätt‘ er sein Maul gehalten!
Wir wissen’s noch recht gut, wie Er
Auf Erden Haus gehalten.

Sieb’n hundert Weiber auf der Streu,
Und extra noch darneben
Drei hundert – – Andre! Meiner Treu!
Das war ein züchtig Leben!

Und Sein Verstand war klimperklein,
Als Er von Gott sich wandte,
Und Götzen pur von Holz und Stein,
Sein thöricht Opfer brannte.“ –

„Fürwahr, empörte Jonas sich,
Das Weib speit, wie ein Drache!“ –
„Halt’s Maul, Ausreißer! Kümmre dich
Um Deine faule Sache!“ –

Auch Thom’s gab seinen Senf dazu:
„Ein Sprichwort, das ich glaube,
Sagt: Weiberzung‘ hat nimmer Ruh;
Sie ist von Espenlaube.“ –

„Glaub‘ immer was ein Narr erdacht,
Mit allen dummen Teufeln!
Doch konnt‘ an seines Heilands Macht
Der schwache Pinsel zweifeln.“

Maria Magdalena kam. –
Nu ja! Die wird’s erst kriegen! –
„Still, gute Frau, fein still und zahm!
Ihr müßt Euch anders fügen.

Denn, gute Frau, erinnert Euch
In Eu’r verruchtes Leben!
So Einer wird im Himmelreich
Kein Plätzchen eingegeben.“ –

„So Einer? schrie Frau Schnips, ei schaut!
Was bin ich denn für Eine?
Sie war mir auch das rechte Kraut!
Nun brennt Sie gar sich reine?

Ach! Um die Tugend ihrer Zeit
Ist Sie nicht hergekommen.
Des Heilands Allbarmherzigkeit
Hat Sie hier aufgenommen.

Durch diese Allbarmherzigkeit,
Sie wird’s nicht übel deuten,
Hoff‘ ich, trotz meiner Sündlichkeit
Auch noch hineinzuschreiten.“ –

Jetzt sprang Apostel Paul empor:
„Mit deinen alten Sünden,
Bleib, wirst du durch das Himmelsthor
Den Eingang nimmer finden!“ –

„Die lass‘ ich draußen! Denke, Paul,
Wie dir’s vor Zeiten glückte;
Dir, der doch so mit Mord als Saul,
Die Kirche Gottes drückte!“ –

Sanct Peter kam nun auch zum Spiel:
„Die Thür nicht eingeschlagen!
Madam, Sie lärmt auch allzuviel;
Wer kann das hier vertragen?“

„Geduld, Herr Pförtner! sagte sie;
Noch bin ich unverloren!
Hab‘ ich doch meinen Heiland nie,
Wie zu einst, abgeschworen.“ – –

Und unser lieber Herr vernahm
Der Seele letzte Worte.
Umringt von tausend Engeln kam
Er herrlich an die Pforte.

„Erbarmen! Ach, Erbarmen!“ schrie
Die arme bange Seele. –
„O Seele, du gehorchtest nie
Dem Göttlichen Befehle.

Ich lockte dich an meine Brust:
Zur Sünde gingst du über.
Die Welt mit ihrer eiteln Lust
War, Thörin, dir viel lieber.“ –

„O! Ich bekenn‘ es, Herr, ich schwamm
Im Lustpfuhl dieser Erde;
Doch bringe du dein irrend Lamm
Zurück zu deiner Herde!

Ich will, o lieber Hirt, hinfort
Mein Irrsal stets bereuen.
Half doch sein letztes armes Wort
Dem Schächer zum Gedeihen.“ –

„Du wußtest, Weib, was ich gethan;
Du kanntest meinen Willen:
Allein, was hast du je gethan,
Ihn dankbar zu erfüllen?“ –

„Ach nichts! Doch, lieber Menschensohn,
Heiß mich darum nicht fliehen!
Es hat ja dem verlornen Sohn
Sein Vater auch verziehen.“ –

„Nun wohl, Verirrte, tritt herzu!
Will dich mit Gnade zeichnen.
Auch du bist mein! Geh ein zur Ruh!
Ich will dich nicht verleugnen.“


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