Gedichte Schön Suschen

Schön Suschen kannt‘ ich lange Zeit:
Schön Suschen war wohl fein;
Voll Tugend war’s und Sittsamkeit:
Das sah ich klärlich ein.
Ich kam und ging, ich ging und kam,
Wie Ebb‘ und Flut zur See.
Ganz wohl mir that es wann ich kam,
Doch, wann ich ging nicht weh.

Und es geschah, daß nach der Zeit,
Gar anderes ich vernahm;
Da that’s, mir, wann ich schied, so leid,
So wohl mir, wann ich kam;
Da hatt‘ ich keinen Zeitvertreib,
Und kein Geschäft, als sie;
Da fühlt‘ ich ganz an Seel‘ und Leib,
Und fühlte nichts, als sie.

Da war ich dumm, und stumm, und taub;
Vernahm nichts, außer ihr;
Sah nirgens blühen Blum‘ und Laub;
Nur Suschen blühte mir.
Nicht Sonne, Mond und Sternenschein,
Mir glänzte nur mein Kind;
Ich sah, wie in die Sonn‘, hinein,
Und sah mein Auge blind.

Und wieder kam gar andre Zeit,
Gar anderes ward es mir:
Doch alle Tugend, Sittsamkeit,
Und Schönheit blieb an ihr.
Ich kam und ging, ich ging und kam,
Wie Ebb‘ und Flut zur See.
Ganz wohl mir that es, wann ich kam,
Doch, wann ich ging, nicht weh. –

Ihr Weisen, hoch und tief gelahrt,
Die ihr’s ersinnt, und wißt,
Wie, wo und wann sich alles paart?
Warum sich’s liebt und küßt?
Ihr hohen Weisen, sagt mir’s an!
Ergrübelt, was mir da,
Ergrübelt mir, wo, wie und wann,
Warum mir so geschah? –

Ich selber sann oft Nacht und Tag,
Und wieder Tag und Nacht,
So wundersamen Dingen nach;
Doch hab‘ ich nichts erdacht. –
D’rum, Lieb‘ ist wohl, wie Wind im Meer:
Sein Sausen ihr wohl hört,
Allein ihr wisset nicht, woher?
Wißt nicht wohin er fährt?

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