Nachruf an Henriette von Hohenhausen

An deinem Sarge standen wir,
Du fromme milde Leidenspalme,
Wir legten in die Hände dir
Des Lenzes linde Blütenhalme;
An deiner Brust, wie eingenickt,
Die blauen Seidenschleifen lagen;
So, mit der Treue Bild geschmückt,
Hat man dich in die Gruft getragen.

Die Sonne sticht, der Regen rauscht –
Wir sitzen schweigend und beklommen;
Es knirrt im Flur, und jeder lauscht,
Als dächten wir du könntest kommen;
In jedem Winkel suchen wir
Nach deinem Lächeln, deinem Blicke,
Wer lehnte je am Busen dir,
Und fühlt im Herzen keine Lücke?

Daß dein Erkennen stark und klar,
Auch andre mögen’s mit dir teilen,
Doch daß du so gerecht und wahr,
Daß Segen jede deiner Zeilen,
Der Odem den dein Leben sog,
Der letzte noch, ein Liebeszeichen, –
Das, Henriette, stellt dich hoch
Ob andre, die an Geist dir gleichen!

Du warst die Seltne, die gehorcht
Des Ruhmes lockender Sirene,
Und keine Tünche je geborgt,
Und keine süßen Taumeltöne;
Die jede Perl‘ aus ihrem Hort
Vor Gottes Auge erst getragen,
Um ernstes wie um heitres Wort,
Um keines durft‘ im Tode zagen.

Am Sarge fällt die Blüte ab,
Zerrinnt der Glorie Zauberschemen,
Dein Lorbeerreis, es bleibt am Grab,
Du kannst es nicht hinüber nehmen;
Doch vor dem Richter kannst du knien,
Die reinen Hände hoch gefaltet:
„Sieh, Herr, die Pfunde, mir verliehn,
Ich habe redlich sie verwaltet.“

Nicht möcht‘ ich einen kalten Stein
Ob deinem warmen Herzen sehen,
Auch keiner glühen Rosen Schein,
Die üppig unter Dornen wehen;
Des Sinnlaubs immergrünen Stern
Möcht ich um deinen Hügel ranken,
Und überm Grüne säh‘ ich gern
Die segensreiche Ähre schwanken.

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