Gedichte Wil sie nicht / so mag sies lassen

Wil sie nicht / so mag sies lassen /
Zynthie / die stoltze die.
Was betrüb ich mich ümm Sie.
Eins ist mir ihr Huld‘ und hassen.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Vorhin thät‘ ich / wie sie thäte.
Lieb‘ ist Gegen-liebe wehrt.
Itzund / weil sie sich verkehrt
Bin auch ich auff andrer stette.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Meynt sie wol mich zu betrüben /
Mit dem / was nur ist ein Schein?
Nein. Will sie mir gut nicht seyn /
So kan ich auch sie nicht lieben.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Zahlt mir diß nur meine Treue /
Meinen unbewegten Sinn?
Doch wer achtets. Immer hin.
Es kömmt doch noch wol zur Reue.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Sie bekömmt wol meines gleichen /
Und auch ihres gleichen ich.
Weil sie ja verdringet mich /
So will ich ihr gerne weichen.
Zynthie sey / wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Sie mag lachen / oder klagen /
Oder etwas anders thun.
Mich vergnüget dieses nun /
Daß ich kan mit Warheit sagen:
Zynthie sey / wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.


Gedichte Wil sie nicht / so mag sies lassen - Fleming