Von acht Rossen

Fährt im Land ’ne Staatskarosse;
Ziehn sie acht famose Rosse,
Feurig, ein beherzt Gespann!
Eines ward am Rhein geboren,
Hebt das Haupt und spitzt die Ohren,
Zieht vor allen mutig an.

Beißt ein andres in die Stange,
Wo der Fischer mit Gesange
Froh den goldnen Bernstein fischt;
Kräftig schnaubt es mit den Nüstern.
Die es lechzend in den düstern
Ostseewellen sich erfrischt.

Ist das dritte aufgewachsen
In dem guten Lande Sachsen,
Tritt den Boden fest und stark.
Dies hier stammt aus Schlesiens Talen,
Jene zwei sind aus Westfalen
Und der Brandenburger Mark.

Seht alsdann mit breitem Nacken
Noch den Pommern und Polacken –
Auch ein derb und stattlich Paar! –
Also ziehn die acht trotz einem;
Frisch und mutig – doch an keinem
Ist auch nur ein falsches Haar!

Wollt‘ es glauben nur der Lenker!
Doch der denkt: „Hol‘ euch der Henker!
Immer mehr schwillt euch der Kamm!
Wahr ist’s, ihr seid brav und wacker!
Doch ein paar von euch sind Racker!“
Hält somit die Zügel stramm.

Tönt herauf zu ihm ein Schnauben,
Spricht er: „Was sich die erlauben!“
Ruckt mit Zürnen am Gebiß.
Schallt ein Huf recht dreist metallen,
Gleich erregt es sein Mißfallen –
Ja doch, es gefällt ihm miß!

Wollen sie sich eines neuen
Peitschenreglements nicht freuen –
Ei, wie straft sie da sein Pfiff!
Ei, wie fällt ihm da vom Munde
Ander Wort, als zu der Stunde,
Drin die Zügel er ergriff!

Wolln mit ehrerbiet’gem Wiehren
Flehn sie oder Klage führen,
Solches gilt als Schabernack!
Vollends wird der Stab gebrochen
Über gar ein zweites Pochen
Um denselben Habersack!

Ziehn darum, die gerne flögen,
Stolz und brausend gern ihn zögen,
Langsam jetzo sein Gefähr!
Stets des rechten Vorwärts harrend,
Stampfend nicht, doch dafür scharrend
In der Stille desto mehr!

Immer ruhig, immer sachte,
Ihr getreuen, lieben Achte!
Eines glaubt und bleibt dabei:
Steckt der Karrn einmal im Drecke,
Hui, dann geht es rasch vom Flecke,
Und die Zäume fliegen frei!
St. Goar, Januar 1844.

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