Gedichte An die Zahmen

1841

Die ihr im Abendsäuseln schon
Des Herren Spur gewahrt,
Und denen er im Kräuseln schon
Der See sich offenbart –
O freut euch eurer Lose,
Und dankt und laßt mich gehn!
Im wilden Sturmgetose,
Im Feuer nur, wie Mose,
Mag ich den Herren sehn!

So einer glücklich, sonn‘ er sich
In Frieden vor dem Haus;
Ich lobe mir den Donner, ich,
Des Sinai Gebraus‘.
Ich fühl’s durch alle Nerven,
Durch alle Adern sprühn:
Ich möchte Speere werfen,
Ich möchte Klingen schärfen,
Und tatlos nicht verglühn.

Nicht mehr an Blumenhügeln möcht‘
Ich liegen auf der Wacht,
In eines Streithengsts Bügeln möcht‘
Ich wiegen mich zur Schlacht,
Nicht mehr im Mondschein wandeln,
Nicht länger schreiben mehr,
Ich möcht‘ nun einmal sandeln,
Ich möcht‘ nun einmal handeln –
Auf! bringt mir Fahnen her!

Laßt endlich das Geleier sein
Und rührt die Trommel nur!
Der Deutsche muß erst freier sein,
Dann sei er Troubadour.
Im Freiheitsfeuertranke
Werd‘ unser Reich erfrischt,
Ihr ewiger Gedanke
Führ‘ unser Schwert, das blanke,
Wenn’s in die Feinde zischt!

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Gedichte An die Zahmen - Herwegh