Gedichte An August Kopisch

Stets, doch immer umsonst, unter dem fremden Volk,
Sei’s auch milde gesinnt, sucht ich ein zärtliches,
Huldvolles Gemüt, wie du bist,
Ein erwünschtes Gespräch, wie deins.

Schönheit selbst, wie sie blüht tausendgestaltig hier,
Wollustrausch im Gefolg äußerster Weichlichkeit,
Lehrt bloß, wie geschwind zu Rauch wird
Die bewegliche Glutbegier.

Halb gleichgültig besah dies Paradies ich sonst,
Das dein finsteres Tor scheidet, o Posilipp!
Gleichgültig des Mondes Diskus
In die Welle des Golfs getaucht.

Einsam wandelt ich durchs Menschengewühl der Stadt,
Kaum einsamer des Nachts nieder am öden Strand,
Lautlos. Die Gestirne schwiegen,
Und das Meer und der Berg Vesuv.

Als trübsinnig so fort, freudeverarmt ich ging,
Ja, da führten heran heilige Segel mir
Vom Grabe des Äschylus dich
An die blühende Gruft Virgils.

Mehr als Jedem, o Freund! kamst du ein Trost mir selbst:
Langher war so verwandt meinem Gefühle kein
Augapfel, und keine Stimme
So erfreulich und süß dem Ohr!

Horch! Dein Mund, er beschreibt jener Zyklopenschar
Felskluft, schildert Palerms reifen Orangenwald,
Girgentis Gefilde malt er,
Und die dorische Pracht im Staub.

Zweifach haben begabt schützende Geister dich:
Lehrling bist du der Kunst, welche das Auge lockt
Durch farbigen Reiz, und fügst auch
In den rhythmischen Gang das Wort.

Wann einst wieder du schwebst über des Nordens Eis,
Wann Parthenopes Golf bloß in der Seele dir
Nachtönt, und Gebirg und Inseln
Wie ein dämmernder Traum erstehn:

Ja, dann fühle, daß fern deiner gedenkt ein Freund
Liebreich. Deinem Gesang wünscht er den kräftigen,
Hochwolkigen Schwung des Adlers,
Und den flüssigen Weg des Schwans!

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