Gedichte Empfindungen der Dankbarkeit

beim Namensfeste Ihro Excellenz
der Frau Reichsgräfin von Hohenheim

I. Von der Akademie

Ein großes Fest! – Laßt, Freunde, laßt erschallen! –
Ein schönes Fest weckt uns zu edler Lust!
Laßt himmelan den stolzen Jubel hallen,
Und Dankgefühl durchwalle jede Brust.

Einst wollte die Natur ein Fest erschaffen,
Ein Fest, wo Tugenden mit Grazien
Harmonisch ineinandertrafen
Und in dem schönsten Bunde sollten stehn,

Und dieses Fest aufs reizendste zu zieren,
Sah die Natur nach einem Namen um –
Franziskens Namen sollt es führen,
So war das Fest ein Heiligtum!

Und dieses Fest, ihr Freunde, ist erschienen,
Euch jauchz ichs mit Entzücken zu!
Jauchzt, Freunde, jauchzt mir nach: Es ist erschienen,
Und hüpft empor aus tatenloser Ruh!

Heut wird kein Ach gehört – heut fließet keine Träne;
Nur froher Dank steigt himmelwärts!
Die Luft erschallt von jubelndem Getöne,
Franziskens Name lebt durch jedes Herz.

Sie ist der Dürftgen Trost – sie gibt der Blöße Kleider,
Dem Durste gibt sie Trank, dem Hunger Brot!
Die Traurigen macht schon ihr Anblick heiter
Und scheucht vom Krankenlager weg den Tod.

Ihr Anblick segenvoll – wie Sonnenblick den Fluren,
Wie wenn vom Himmel Frühling niederströmt,
Belebend Feuer füllt die jauchzende Naturen,
Und alles wird mit Strahlen überschwemmt,

So lächelt alle Welt – So schimmern die Gefilde,
Wenn sie wie Göttin unter Menschen geht,
Von ihr fließt Segen aus und himmelvolle Milde
Auf jeden, den ihr sanfter Blick erspäht,

Ihr holder Name fliegt hoch auf des Ruhmes Flügeln,
Unsterblichkeit verheißt ihr jeder Blick,
Im Herzen thronet sie – und Freudentränen spiegeln
Franziskens holdes Himmelbild zurück.

So wandelt sie dahin auf Rosenpfaden,
Ihr Leben ist die schönste Harmonie,
Umglänzt von tausend tugendsamen Taten,
Seht die belohnte Tugend! – Sie!

O Freunde, laßt uns nie von unsrer Ehrfurcht wanken,
Laßt unser Herz Franziskens Denkmal sein!
So werden wir mit niedrigen Gedanken
Niemalen unser Herz entweihn!

II. Von der Ecole des Demoiselles

Elysische Gefühle drängen
Des Herzens Saiten zu Gesängen,
Ein teurer Name weckte sie. –
Schlägt nicht der Kinder Herz mit kühnern Schlägen
Der sanften Mutter Freudenfest entgegen
Und schmilzt dahin in Wonnemelodie?
Wie sollten wir jetzt fühllos schweigen,
Da tausend Taten uns bezeugen,
Da jeder Mund – da jedes Auge spricht; –
Ist uns Franziska Mutter nicht?

Erlauben Sie dem kindlichen Entzücken,
Sich Ihnen heute scheu zu nahn,
O sehen Sie mit mütterlichen Blicken,
Was, unsre innige Verehrung auszudrücken,
Wir Ihnen darzubringen wagen, an!
Erlauben Sie der schüchternen Empfindung,
Für Sie, der Mütter würdigste, zu glühn,
Erlauben Sie die kühne, stolze Wendung –
Denn heute, heut dem Dank sich zu entziehn,
Wär Frevel, wär die sträflichste Verblendung!

Wenn Dankbarkeit, die aus dem Herzen fließet,
Wenn der Verspruch, stets auf der Tugend Pfad zu gehn,
Wenn Tränen, die die sanfte Rührung gießet,
Wenn Wünsche, die empor zum Himmel flehn,
O wenn der Seelen feurigstes Empfinden
Die Huld der besten Mutter lohnen könnten,
Wie ganz sollt unser Wesen nur Empfindung sein!
Nie sollten unsre Tränen, nie versiegen,
Zum Himmel sollten ewig unsre Wünsche fliegen,
Franzisken wollten wir ein ganzes Leben weihn!

Doch wenn auch das Gefühl, das unser Herz durchflossen,
Bei aller Liebe reichlichem Genuß,
Womit Sie, Edelste! uns übergossen,
Erröten und erlahmen muß
So hebt uns doch das selige Vertrauen:
Franziska wird mit gnadevollem Blick
Auf ihrer Töchter schwaches Opfer schauen –
Franziska stößt die Herzen nie zurück!
Und feuervoller wird der Vorsatz uns beleben,
Dem Meisterbild der Tugend nachzustreben!

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading...

Gedichte Empfindungen der Dankbarkeit - Schiller