Gedichte Lied vor der Schlacht

Wer für die Freiheit kämpft und fällt, deß Ruhm wird blühend stehn,
So lange frei die Winde noch durch freie Lüfte wehn,
So lange frei der Bäume Laub noch rauscht im grünen Wald,
So lang‘ des Stromes Woge noch frei nach dem Meere wallt,
So lang‘ des Adlers Fittig frei noch durch die Wolken fleugt,
So lang‘ ein freier Odem noch aus freiem Herzen steigt.

Wer für die Freiheit kämpft und fällt, deß Ruhm wird blühend stehn,
So lange freie Geister noch durch Erd‘ und Himmel gehn.
Durch Erd‘ und Himmel schwebt er noch, der Helden Schattenreihn,
Und rauscht um uns in stiller Nacht, in hellem Sonnenschein,
Im Sturm, der stolze Tannen bricht, und in dem Lüftchen auch,
Das durch das Gras auf Gräbern spielt mit seinem leisen Hauch.
In ferner Enkel Hause noch um alle Wiegen kreist
Auf Hellas heldenreicher Flur der freien Ahnen Geist;
Der haucht in Wunderträumen schon den zarten Säugling an,
Und weiht in seinem ersten Schlaf das Kind zu einem Mann.
Den Jüngling lockt sein Ruf hinaus mit nie gefühlter Lust
Zur Stätte, wo ein Freier fiel, da greift er in die Brust
Dem Zitternden, und Schauer ziehn ihm durch das tiefe Herz:
Er weiß nicht, ob es Wonne sei, ob es der erste Schmerz.
Herab, du heil’ge Geisterschaar, schwell‘ unsre Fahnen auf,
Beflügle unsrer Herzen Schlag und unsrer Füße Lauf!
Wir ziehen nach der Freiheit aus, die Waffen in der Hand,
Wir ziehen aus auf Kampf und Tod für Gott, für’s Vaterland.
Ihr seid mit uns, ihr rauscht um uns, eur Geisterodem zieht
Mit zauberischen Tönen hin durch unser Jubellied.
Ihr seid mit uns, ihr schwebt daher, ihr aus Thermopylä,
Ihr aus dem grünen Marathon, ihr von der blauen See
Am Wolkenfelsen Mykale, am Salaminerstrand,
Ihr all‘ aus Wald, Feld, Berg und Thal im weiten Griechenland!

Wer für die Freiheit kämpft uns fällt, deß Ruhm wird blühend stehn,
So lange frei die Winde noch durch freie Lüfte wehn,
So lange frei der Bäume Laub noch rauscht im grünen Wald,
So lang‘ des Stromes Woge noch frei nach dem Meere wallt,
So lang‘ des Adlers Fittig frei noch durch die Wolken fleugt,
So lang‘ ein freier Odem noch aus freiem Herzen steigt.

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Gedichte Lied vor der Schlacht - Müller