Gedichte Ungarn

Silvester 1848

Nun flackert durch die Heide
Der Lagerfeuer Brand;
Nun blitzt die krumme Schneide
In des Magyaren Hand;
Nun läßt er seine Herde,
Nun schwingt er sich zu Pferde,
Nun lehnt er am Verhau;
Und vor dem Eisensporn’gen
Aufrauscht das Lied der zorn’gen
Donau, der Heidefrau.

Sie jauchzt in ihren Borden,
Sie schwillt vor Stolz und Wut:
„Glück auf, ihr braunen Horden,
Du heißes Ungarblut!
Ihr Hirten und ihr Jäger,
Ihr wilden Zimbalschläger,
Ihr Geiger unverzagt!
Ihr, die ihr als die letzten
Zur Schlacht mit dem zerfetzten
Panier der Freiheit jagt!

Verraten allenthalben,
Verraten und schimpfiert,
Habt ihr es auf die Falben
Und Rappen euch salviert!
Vom Roß emporgehalten,
Bluteis in seinen Falten,
So trägt es der Magyar;
So läßt er breit es fliegen,
So läßt er es mit Siegen
Einweihn das neue Jahr!

Seht her doch, ihr nach Westen!
Ein Volk noch in der Welt,
Das trotzig mit der festen
Stahlhand am Aufruhr hält!
Im fernen wüsten Osten,
Der Freiheit Außenposten,
Die schlagen jetzt die Schlacht,
Die, heiß zurück sich wälzend,
Jedwede Fessel schmelzend,
Auch euch zu Freien macht!

Hört ihr der Hörner Gellen,
Hört ihr der Rosse Trab,
Seht ihr die blut’gen Wellen?
Das ist der Kampf bei Raab!
Vorwärts, ihr zottigen Streiter!“ –
So klingt der Donau Schrei;
So wälzt sie sich mit Grollen
Hinab durch ihre Schollen
Zur schläfrigen Türkei.

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