Gedichte Gedichte zu „Götz von Berlichingen“


An Friedrich Wilhelm Gotter

Schicke dir hier den alten Götzen,
Magst ihn zu deinen Heil’gen setzen
Oder magst ihn in die Zahl
Der Ungeblätterten stellen zumal.
Hab’s geschrieben in guter Zeit,
Tags, Abends und Nachts Herrlichkeit,
Und find nicht halb die Freud so mehr,
Da nun gedruckt ist ein großes Heer.
Find, daß es wie mit den Kindern ist,
Da doch wohl immer die schönste Frist
Bleibt, wenn man in der schönen Nacht
Sie hat der lieben Frau gemacht.
Das andre geht dann seinen Gang
Und Rechnen, Wehn und Tauf und Sang.
Mögt euch nun auch ergötzen dran,
So habt ihr doppelt wohlgetan.
Magst, wie ich höre, dann allda
Agieren, tragieren Komödia
Vor Stadt und Land und Hof und Herrn:
Die sähn das Schattenspiel wohl gern.
So such dir denn in deinem Haus
Einen rechten, tüchtigen Bengel aus
Und gib ihm die Roll von meinem Götz
In Panzer, Blechhaub und Geschwätz.
Dann nimm den Weisling vor dich hin
In Pumphos, Kragen und stolzem Kinn
Und Spada wohl nach Spanier Art
Und Weitnaslöchern, Stützleinbart,
Und sei ein Falscher an den Frauen,
Laß dich zuletzt vergiftet schauen.
Und bring, da hast du meinen Dank,
Mich vor die Weiblein ohn Gestank.
Mußt alle garst’gen Worte lindern,
Aus Scheißkerl Schurken, aus Arsch mach Hintern –
Und gleich‘ das alles so fortan,
Wie du’s wohl ehmals schon getan.

An Johann Heinrich Merck

Schicke dir hier in altem Kleid
Ein neues Kindlein wohl bereit,
Und ist’s nichts weiters auf der Bahn,
Hat’s immer alte Hosen an.
Wir Neuen sind ja solche Hasen,
Sehn immer nach den alten Nasen,
Und hast ja auch, wie’s jeder schaut,
Dir Neuen ein altes Haus gebaut.
Darum, wie’s steht sodann geschrieben
Im Evangelium da drüben,
Daß sich der neu Most so erweist,
Daß er die alten Schläuch zerreißt. –
Ist fast das Gegenteil so wahr,
Das Alt‘ die jungen Schläuch reißt gar.
Und können wir nicht tragen mehr
Krebs, Panzerhemd, Helm, Schwert und Speer
Und erliegen darunter tot
Wie Ameis unterm Schollenkot,
So ist doch immer unser Mut
Wahrhaftig wahr und bieder gut.
Und allen Perrückeurs und Fratzen
Und allen literar’schen Katzen
Und Räten, Schreibern, Mädels, Kindern
Und wissenschaftlich schönen Sündern
Sei Trotz und Hohn gesprochen hier
Und Haß und Ärger für und für.
Weisen wir so diesen Philistern,
Kritikastern und ihren Geschwistern
Wohl ein jeder aus seinem Haus
Seinen Arsch zum Fenster hinaus.

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