Gedichte Vacunus‘ Schwanenlied

Wenn ich nach des Lebens Eile,
Nach Verdruß und Langerweile,
Nun den Styx befahre,
Cerberus gewahre
Und die Schattenräume
Ohne Ruh und Träume,
Voll Melancholie,
Sammt den alten schwarzen
Furien und Parcen,
Stete Höllenstrafen
Ohne Brod und Schlafen,
Rhadamanthus‘ Sprüche,
Ach! und keine Küche! –
Brüder! das vergess‘ ich nie.

Trinken muß ich aus dem Lethe,
Doch die Schönen, Margarethe,
Emma, Clärchen, Hanne,
Julia, Susanne,
Hedwig und Rosaura,
Ida, Molly, Laura,
Margot und Marie –
Sammt des Clerus dicken
Mägdlein-Domestiken,
Anecdotenpößlein,
Fahrt mit wackern Rößlein,
L’hombre, Whist und Würfel,
Und Kaffee-Geschlürfel –
Brüder! das vergess‘ ich nie.

Trinken muß ich aus dem Lethe,
Doch so manche Wunder-Fête
An der Table d’hôte,
Jagors Speisen-Note,
Harfenspielerinnen,
Die für Thaler minnen,
Knappen-Melodie,
Scherz mit Klosterfrauen,
Reisen und Verdauen,
Schauspiel und Romane,
Abenteuer-Plane,
Reiche Zinslein-Aernte,
Und – was ich nie lernte,
Brüder, das vergess‘ ich nie!


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 3,00 out of 5)

Gedichte Vacunus‘ Schwanenlied - Haug