Gedichte Verhör

Du liegst sehr blaß in deinen weißen Kissen,
Und deine matten Lippen sind zerrissen;
Hattest du sehr viel Schmerz? –
„Ich weiß nicht mehr.“

Du siehst sehr träumerisch zur Zimmerdecke,
Sieh nach dem Bettchen drüben in der Ecke:
Liebst du dein Kindchen sehr? –
„Ich weiß noch nicht.“

Schriebst du zuweilen, wenn die Wehen kamen,
Mit deinen irren Fingern meinen Namen
Auf deine Bettdecke? –
„Du weißt es ja.“

Kannst du noch immer, ohne hinzudenken,
Dein Kind und seinen Vater ruchlos kränken
Und mit mir selig sein? –
„Weißt du das nicht?“

Gedichte Verhör - R Dehmel