Gedichte Am Scheidewege

Der schwere Fluch, der auf dem Haupt mir lastet,
Drückt mich darnieder in den Straßenkot;
O Gott, o Welt, erbarmt euch meiner Not;
Ihr wißt, weswegen ich ihn angetastet.

Ihr wißt, ihr selber jagtet mich hinein,
Mit tausend Peitschenhieben ins Verderben;
Nehmt mich zur Sühne denn und laßt mich sterben,
Nur laßt mich nicht so schimpflich elend sein.

Ich war nicht schlecht; nun mag ich’s freilich werden,
Gab ich mein Bestes doch zum Opfer hin.
Nehmt mich hinweg, solang ich Mensch noch bin!
Ein Tier, ein Teufel werd ich sonst auf Erden.

Gedichte Am Scheidewege - Wedekind