Gedichte Die Weltmüden

Denkendere Zeiten, zerdachtere Zeiten
Als unser Heut und Gestern ist

Ohne Weiber, schlecht genährt
Und ihren Nabel beschauend
— des Schmutzes Holde
Übelriechende!
Also erfanden sie sich die Wollust Gottes

Bei bedecktem Himmel
Wo man Pfeile und tödtende Gedanken
Nach seinen Feinden schießt,
Da verleumdeten sie die Glücklichen
Sie lieben ach! und werden nicht geliebt
Sie zerfleischen sich selber
Weil Niemand sie umarmen will.

Ihr Verzweifelnden! wie viel Muth
Macht ihr denen, die euch zuschauen!

Sie verlernten Fleisch essen,
Mit Weiblein spielen,
— sie härmten sich über die Maaßen.

Wie sicher ist dem Unstäten auch
Ein Gefängniß!
Wie ruhig schlafen die Seelen
Eingefangner Verbrecher!
Am Gewissen leiden nur
Gewissenhafte!


Gedichte Die Weltmüden - Nietzsche