Gedichte Klage um klein Scherzelein

1816

Als ich jung war und waidlich,
Da hatt‘ ich ein Kind,
Unschuldig und maidlich
Und herzig gesinnt,
Klein Scherzelein hieß es,
Das liebliche Kind,
Die Sorgen zerblies es,
Wie Wolken der Wind.
Um den Kopf blonde Löckchen,
Die Äuglein so hell,
So rosig die Bäckchen,
Die Schritte so schnell,
Oft trug es auch Flügel
Und flatterte hin
Über Thäler und Hügel
Mit fröhlichem Sinn.
War der Maimond erschienen
In blumiger Zier,
Dann tanzt‘ es im Grünen
Den Reigen mit mir,
Dann lockte sein Kehlchen
Die Vöglein herbei,
Die liebenden Seelchen
Im liebenden Mai.
War der Winter gekommen
Mit Eis und mit Schnee,
Das Herz schlug beklommen
Und that mir so weh –
Mit lustigen Spielen
Vertrieb’s mir die Zeit,
Ich konnte nicht fühlen
Wie’s stürmet und schneit.
Ach! wo bist du geblieben,
Du freundliches Kind?
Dein Sehnen, dein Lieben
Wo schlürft es der Wind?
Wohin weit entflogen,
Mir wehe zu thun?
Welche Wälder und Wogen
Umrauschen dich nun?
Komm, klein Scherzelein, wieder
Nur einmal noch komm!
Und mache mich wieder
So selig und fromm,
Wie in glücklichen Tagen,
Komm spiele mit mir!
Ich muß schier verzagen
So ferne von dir.
Komm klein Scherzelein wieder,
Du holdigstes Kind!
Bringe Blumen und Lieder
Und Lust, welche minnt –
Komm mit Spielen und Küssen
Und Träumen der Nacht,
Die mancherlei wissen,
Was der Tag nicht gedacht.

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