Gedichte Herkules‘ Haus

König Rodrich in Toledo,
Seiner Krone Glanz zu mehren,
Ließ ein groß Turnier verkünden.
Hell schon die Trompeten schmettern,
Sechzigtausend Ritter kamen,
Die zu kämpfen dort begehrten.
Doch, bevor der Kampf begonnen
Zu ihm die Toleder treten
Bittend, daß er Tor und Riegel
Woll mit neuem Schloß versehen
An des Herkules Palaste,
Wie’s bisher der Brauch gewesen.
Aber in dem alten Hause
Dacht er, reichen Schatz zu heben,
Ließ die Riegel all zerbrechen
Und des Tempels Tore sprengen.

Als er eintrat, war’s so still drin,
Nur ein Spruch glänzt‘ ihm entgegen:
„Weh dir, Rodrich, denn der König,
Der betreten diese Schwelle,
Der gebrochen diese Stille,
Wird Hispanien versengen!“
Seitwärts hinter einem Pfeiler
War ein prächt’ger Schrank zu sehen,
Drinnen lagen fremde Banner
Mit Figuren zum Erschrecken,
Und Araber, hoch zu Rosse,
Funkelnd mit gezückten Schwertern,
Hielten an dem Schrein die Wache,
Lautlos, ohne sich zu regen. –
Rodrich wandt sich vor Entsetzen,
Wollt fortan nichts weiter sehen,
Und ein Blitzstrahl zuckt‘ vom Himmel
Und verbrannt den Zaubertempel.

Übers Meer wohl sandt er Kriegsvolk,
Sollten Afrika erwerben,
Wetter stiegen, wo sie fuhren,
Mußten all im Meer verderben.


Gedichte Herkules‘ Haus - Eichendorff