Gedichte Und noch einmal der Zopf

Und noch einmal der Zopf! – Jenseits sogar der Meere
Hat er gewütet einst im Indo-Britenheere,
Hat baumelnd er geführt sein haarig Regiment.
Was dort ein Rotrock war, trug auch den krummen, straffen;
Geschmeichelt sahen es am Gangesstrand die Affen –
Sie nahmen’s für ein Kopliment.

O, welch ein Staat das war an Sonn – und Feiertagen!
Da ward er feierlich und endlos erst getragen!
Da schmückt‘ er vollends erst der Krieger Scharlachkleid!
Im Sattel saßen sie, gradleibig wie die Puppen;
Er unterdessen lag ausruhend auf den Croupen
In sinniger Betrachtsamkeit.

Und war zu Ende nur die schimmernde Parade,
Dann sprengten Offizier und Fähnrich ans Gestade,
Dann gab’s ein Rennen noch um eine Flasche Port!
Dann band sich männiglich die angehängte Bürde
Des Zopfes ehrbar ab, hielt ihn mit Schick und Würde
Fest in der Hand und schnalzte: „Fort!“

Und fort nach Willkühr ging’s – der Zopf ja ward zur Gerte!
Der Zopf behielt den Sieg, wie sich das Roß auch sperrte!
Ein indo-britisch Spiel: – Weh, daß man es verdeutscht!
Daß man auch unter uns vom rückwärts schaunden Kopfe
Den starren Unhold langt – bei uns auch mit dem Zopfe
Ein edel Roß, das Volk, zerpeitscht!
St. Goar, Oktober 1843.


Gedichte Und noch einmal der Zopf - Freiligrath