Bleiche Nacht

Der Nebel staut sich,
Hütten dunkeln,
Dorfgiebel huschen über Lichtern hin,
Noch bleicher scheint die Nacht;
Die jagende Wagenkette,
Schwenkend, strafft sich,
Die Maschine heult Warnung,
Und vorbei.
Ein entlaubter Kirchhof,
Und wieder kreisen
Um mein klirrendes Fenster
Die öden Wiesen,
Huschen Büsche,
Eilt der fahle Streifen Horizont
Auf den kriechenden Wäldern hin;
Mich fröstelt.

Drei Monate:
Da war die Mondnacht anders hier.
Wie auf Wolken
Trug der kleine Kahn des stummen Fischers
Uns den Fluß hinab;
Selbst die Schatten gaben Licht.
An meiner Seite saß ein Freund,
Und ich sagte ihm
All mein Herzensbangen für ihr Glück.
Und über ihrem Giebel,
Unterm Baldachin der Königspappel,
Als wir durch die Brücke bogen,
Stand groß und strahlend
Wie in einem Tabernakel
Der goldne Mond
Und senkte flimmernd auf das Moos des Daches
Sein grünes Haar.
Heute aber, als ich Abschied nahm,
Achselzuckt ich: mein Fräulein, Glück – ??
Und jener Freund
Dachte wohl schon damals:
Du Tropf und Schuft! –

Mein Fenster schwitzt;
Das kühlt die Stirne;
Gleich und gleich gesellt sich gern.
Wirbelnd rollt ein funkendurchwirkter Dampfknäul
Bleich ins bleiche Feld;
Ein Dornbusch zerreißt ihn.
Jetzt: dort starrt,
Wie durch ein Gitter ein Wahnsinnskopf,
Der grelle Vollmond durch die kahlen Birken.
Er springt durchs Astwerk;
Mit seinen langen blassen Füßen
Läuft er auf den blanken Schienen
Meinen rasenden Gedanken nach.

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