Gedichte Im grünen Walde

Sie lagen im grünen Walde,
Sie lagen im grünen Gras,
Da sangen sie alsobalde
Diskant, Tenor und Baß.

Der Schneider sang Diskante,
Der Schuster, der blies Tenor,
Der Schreiner gar galante,
Der brüllte den Baß hervor.

Zuerst begann der Schneider
Und tanzte mit leichtem Schritt:
„Ich mache die windigen Kleider
Nach Wiener und Hamburger Schnitt.“

„Und ich“, erhub mit Grüßen
Der Schuster und lachte dazu,
„Ich mache manch zierlichen Füßen
Den reizenden, zierlichen Schuh.“

Und kräftig brüllte der Schreiner,
Daß das Reh im Walde sich barg:
„Geschickter wie ich ist keiner,
Ich mache so Wiege als Sarg.“

Und Schreiner und Schuster und Schneider,
Sie sangen zusammen im Takt:
„Ohn windige Schneider, leider,
Da ginge schier alles nackt!

Und wäre kein Schuster lebendig,
Da liefe man üblen Trab;
Und ohne den Schreiner, anständig
Käm keiner hinab ins Grab.“ –

So sangen sie wohl im Walde,
Es blitzte das grüne Gras.
Es klangen an Strom und Halde
Diskant, Tenor und Baß.


Gedichte Im grünen Walde - Weerth