Gedichte An Karl den Zehnten

Aus deiner Ahnherrn blühendem Reiche zogst
Umblickend oft auf lässigem Zelter du,
O zehnter Karl, von deiner Söhne
Frauen umjammert, der letzte Ritter!

Nicht lehrte Weisheit dich das erblichne Haar!
Nicht sendet nach weichherzige Seufzer dir
Frankreich, es weint dir nicht des Mitleids
Gastliche Träne der stolze Brite.

Dein eignes Volk mißkennend, und was die Zeit
Umstürzte, kalt aufnötigend, hieltest du’s
Barbaren gleich, die fern im Südost
Keuchen am Joch und das Joch beklatschen?

Nicht fleußt in Frankreichs Adern Kroatenblut!
Freudvoll begrüßt dreifarbige Wimpel schon
Europa, männlich aufgerichtet,
Ja, bis in Afrika jauchzt das Echo!

Längst sind der Zeit blutdürstige Greul gesühnt:
Blut floß von jeher, wann die verjüngte Welt
Neukräftig aufwuchs, blutig siegte
Christus und blutig erkämpfte Luther

Wahrheiten. Nicht mehr rufe die Manen an
Des Bruders, der klagwürdig und edel fiel,
Nicht aber schuldlos, seine Schwachheit
Trägt des Geschehenen schwerste Hälfte.

Uralte Blutschuld lastete lange schon
Auf Capets Haus, seitdem den erlauchten Sproß
Ruhmvoller Kaiser einst der schnöde
Bruder des heiligen Ludwigs abhieb.

Lern aus der Welt Jahrbüchern Gerechtigkeit,
Und stirb versöhnt! Dein sonstiges Volk, es sei
Bollwerk der Freiheit künftighin uns,
Glänzendes Edelgestein Europas!

Nie reiz es mehr blindwütender Frevel auf,
Und König Philipp herrsche gerecht und gut!
Viel hangt an ihm! Nie war so heilig
Irgend ein fürstliches Haupt, wie seins ist.


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