Gedichte Als Echoward zu einem Schalle

Als Echo ward zu einem Schalle /
Zu einer unbeleibten Lufft /
Die durch das Thal mit halbem halle /
Die / so sie ruffen wiederrufft /
Da ward der hole Wald voll Klage /
Das feige Wild stund als bethört /
Die Nymfen rufften Nacht und Tage /
Wo bist du / Lust / die man nur hört.

Narzissus / dir ist recht geschehen /
Vor sahst du sie / und woltst sie nicht.
Itzt wilt du / die du nicht kanst sehen /
Und hörst nur / was sie dir nach spricht.
Der Brunnen der dich dich ließ schauen /
Der straffte deinen stoltzen Muth /
Daß nun nicht eine von den Frauen
Dir biß auff diesen Tag ist gut.

Nicht / nicht so ist mein Sinn gesinnet /
Bey mir ist alles ümmgewandt.
Ich liebe / die mir böses gönnet.
Ich folge der / die nicht hält standt.
Ich lauff‘ / ich ruff‘ / ich bitt‘ / ich weine.
Sie weicht / und schweigt / und stellt sich taub.
Sie leugnets und ists doch alleine /
Die mir mein Hertze nimmt in Raub.

Ach Freundin / scheu der Götter-rache.
Daß du dir nicht zu sehr gefällst /
Daß Amor nicht einst deiner lache /
Den du itzt höhnst / und spöttlich hälst.
Daß / weil du nichts von mir wilst wissen
Ich nicht mit Echo lasse mich /
Und du denn müssest mit Narzissen
Selbst lieben / und doch hassen dich.


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Gedichte Als Echoward zu einem Schalle - Fleming