Gedichte Die Spanierin

„Flasche, wunderbar versiegelt,
Deinen Glutwein trink‘ ich jetzt,
Daß er meinen Geist, beflügelt,
Nach Hispania versetzt!

Daß ich jenen Hügel schaue,
D’rauf er wuchs und Feuer sog,
Und das Felsenhaupt, das graue,
Das sich auf ihn niederbog.

Und das Mädchen, das ihn streifte
Mit des Flammenauges Stral,
Daß er doppelt schneller reifte,
Wenn sie kam aus ihrem Thal.

Das sich oft in seinem Schatten
An den Reben still entzückt,
Und zuletzt die feuersatten
Für ein Festmahl ausgedrückt.“

Wie aus einer Ader, schäumend
In den Becher rinnt der Wein,
Hastig trinkt der Jüngling, träumend
Blickt er dann in’s Glas hinein.

Eine dunkle Rebenlaube
Sieht er vor sich, heimlich, dicht,
Traube drängt sich d’rin an Traube,
Doch das Mädchen sieht er nicht.

„Trinke mehr!“ Er ruft’s beklommen,
In die Wangen tritt sein Blut,
„Trinke Alles! Sie soll kommen,
Ob sie auch im Grabe ruht!“

Eben schlägt die zwölfte Stunde,
Und er leert das letzte Glas.
Da, wie aus des Bechers Grunde,
Steigt ein Mädchen, ernst und blaß.

„Könnt‘ ich weinen – spricht sie – Armer,
Noch als Geist beweint‘ ich dich,
Denn du Blühend-Lebenswarmer
Bist nun bald so kalt, wie ich.

Diese Laube, diese Reben
Siehst du, auch den kleinsten Sproß,
Aber nicht das süße Leben,
Das sie dämmernd einst umschloß.

Nicht, wie ich mich schlafend stellte,
Als ich ihn von fern geseh’n,
Nicht, wie es das Herz mir schwellte,
Als er sprach: Hier bleib‘ ich steh’n!

Nicht, wie bald ich seinem Sehnen
Meine höchste Huld erwies,
Auch nicht meine starren Thränen,
Als er endlich mich verließ.

Alle diese Reben blühten,
Als er mich zuerst umfing,
Und die reifen Trauben glühten,
Als er treulos von mir ging.

Da, im rachedurst’gen Muthe,
Preß’t ich sie, den Zauberspruch
Murmelnd, und von meinem Blute
Mischt‘ ich d’rein und sprach den Fluch.

Nun, ein letztes Angebinde,
Schickt‘ ich ihm den dunklen Trank,
Dann, daß er mich nie mehr finde,
Stach ich mich in’s Herz und sank.

Doch, mein Werk blieb unvollendet,
Meinen Wein, der ihn bedräut,
Hat er über’s Meer gesendet,
Und du Armer trankst ihn heut‘.

Weh‘, nun wirst du dich verzehren,
Wie es ihm beschieden war,
Wirst des Mädchens noch begehren,
Das schon Staub seit manchem Jahr;

Wirst auf Erden Nichts erwerben,
Als die Glut, d’rin du erstickst,
Wirst, ach wirst nicht einmal sterben,
Ehe du mein Grab erblickst!

Willst du mir zur Seite schlafen?
In Sevilla!“ – Sie entschwebt,
Und der Jüngling geht zum Hafen,
Ob ein Schiff den Anker hebt.


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