Gedichte Weit bin ich einhergezogen

Weit bin ich einhergezogen
Über Berg und über Tal,
Der treue Himmelsbogen
Er umgibt mich überall.

Unter Eichen, unter Buchen,
An dem wilden Wasserfall
Muß ich nun die Herberg suchen
Bei der lieb Frau Nachtigall.

Die im brünst’gen Abendliede
Ihre Gäste wohl bedenkt,
Bis sich Schlaf und Traum und Friede
Auf die müde Seele senkt.

Und ich hör‘ dieselben Klagen
Und ich hör‘ dieselbe Lust
Und ich fühl‘ das Herz mir schlagen
Hier wie dort in meiner Brust.

Aus dem Fluß, der mir zu Füßen
Spielt mit freudigem Gebraus,
Mich dieselben Sterne grüßen
Und so bin ich hier zu Haus.

Echo nimm dir recht zu Herzen
Und erlern‘ die Melodie
Meiner Freuden, meiner Schmerzen:
Ameleya! Ameley!
Blühet stolz ihr Königskerzen,
Ameleya! Ameley!

Wunderinseln, sel’ge Augen,
Die ein liebes Antlitz sehn,
In dem Monde untertauchen,
In der Sonne auferstehn.

Sonn und Mond, ihr lichten Hügel,
Schließet ein die ird’sche Kluft
Und das Leben senkt den Flügel
In des Traumes Zaubergruft.

Wo die Tiefe sich entsiegelt,
Und die Liebe frank und frei
In der ganzen Seele spiegelt
Ameleya! Ameley!

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Gedichte Weit bin ich einhergezogen - Brentano