Gedichte Erbarme du dich meiner Quahlen

Erbarme du dich meiner Quahlen /
Du dicker wüster Heyn /
Dem Titans allerhellste Strahlen
Doch geben keinen Schein.
Wie dunckel hier ist deine schwartze Höle /
So finster auch ist meine krancke Seele.

Laß unter deinem stillen Schatten
Mein klagen sicher gehn
Und höre meinen Sinn / den matten /
Sein Leid-lied recht erhöhn.
Den armen Sinn / der seinen Haß auch liebet /
Den nichts erfreut / als daß er ist betrübet.

So muß ich todter dennoch leben?
Ach! kan diß möglich seyn?
Was meiner Seelen Trost soll geben /
Das selbst ist ihre Pein.
Ach mir! was ists vor ein verkehrtes Wesen /
Das mich bringt ümm von dem will ich genesen.

Glaubts / wo ihrs anders könnt verstehen /
Ihr Blätter ingesammt /
Der Pein muß eure Zahl nachgehen
In die ich bin verdammt.
Die Wolge hier hat nicht so viel der Tropffen
Als ängste mir an meine Seele klopffen.

Es möchte müglich seyn zu messen /
Die Fluht der Kasper-See.
Zu zählen wie viel Bienen essen
Von Hyblens süßem Klee.
Nur meine Pein / ein Ding auff aller Erden
Kan nicht gezählt / kan nicht gemessen werden.

Natürlich ists / das stetigs klagen
Uns endlich alle macht.
Ich werd erquickt durch ewigs plagen /
Und will seyn ümmgebracht.
Laß sehn ob ich durch Freude denn kan sterben /
Dieweil kein leid mich doch nicht kan verderben.


Gedichte Erbarme du dich meiner Quahlen - Fleming