Gedichte Der Kanonier

(Mit einer Zeichnung)

Feindlich begegneten sich auf der Erde die Scharen des Himmels
Und der Höllen; es kommt eben zur förmlichen Schlacht.
Vorn auf dem Hügelchen steht so ein Bocksfuß bei der Kanone;
Sein stets rauchender Schwanz dient ihm als Lunte dabei.
(Etwas phantastisch geformt ist das Feldstück, Flügel des Drachen,
Statt der Räder, stehn hüben und drüben empor:
Denn man braucht dies Geschütz oft über den Wolkenmit Vorteil
Bei Blockaden, da fliegt’s mittelst der höllischen Kunst.)
Aber der Kerl ist feige; denn während langsam der Schweif sich
Nach dem Zündloch bewegt, hält er die Ohren sich zu,
Ober die Achsel nur schielend; doch jetzo drückt er die Augen
Fest zu, krümmt sich, und – Tupf! folgt der entsetzliche Knall.


Gedichte Der Kanonier - Mörike