Gedichte An seine Thränen

Als Er von Ihr verstossen war.

Fliest / fliest so / wie Ihr thut / Ihr zweyer Brünnen Bäche.
Fliest ferner / wie bißher mit zweymahl stärckrer Fluht.
Fliest / wie ihr habt gethan / und wie ihr itzt noch thut /
Daß ich mich recht an der / die euch erpresset / reche.
Fliest immer Nacht und Tag / ob sich ihr Sinn / der freche /
Der Feind-gesinnte Freund / das hochgehertzte Blut /
Das mich ümm dieses hasst / dieweil ich ihm bin gut /
Durch eine stetigkeit und große Stärcke breche:
Die Tropfen waschen aus den fästen Marmelstein.
Das weiche Wasser zwingt das harte Helffenbein.
Auch Eisen und Demant muß feuchten Sachen weichen.
Fliest ewig / wie ihr fliest. Es ist ja müglich nicht /
Daß einst der harten nicht ihr fleischerns Hertze bricht /
Das lange keinem Stahl‘ und Steine sich mag gleichen.


Gedichte An seine Thränen - Fleming