Gedichte Der CXXX. Psalm

Aus diesem tieffen Schlund’/ aus dieser schwartzen Grufft /
Hab‘ ich so offt‘ und offt‘ / O HERR / zu dir gerufft:
Ach Vater / höre mich! ach laß dein‘ Ohren mercken
Auff meines flehens Stimm‘. * HERR / so du nach den Wercken
Mit uns verfahren wilst / uns unsre Missethat
Und Sünde rechnen zu / so man verübet hat /
HERR / HERR / wer wird vor dir in seinem Thun bestehen.
Wir müssen allesampt auff eins zu scheittern gehen.
Du aber / Gott / vergiebst / daß man dich fürchten sol.
Und so kan mancher noch vor dir bestehen wol /
Der nur frisch aus bekennt / und Gnad‘ umb Recht begehret.
Das ihm denn / milder HERR / von dir stracks wird gewehret.
So kan man selig seyn. * Ich harre meines HERRN /
Und meine Seele harrt. der frische Safft und Kern /
Den sein Wort in sich hat / heisst so mich auff ihn hoffen.
Diß Wohnhauß meiner Seel‘ halt‘ ich dem HERREN offen
Nicht an dem Tage nur. wenn noch die dicke Nacht
Umb mein Gemach ist her / und eh die Sonn‘ erwacht /
So denck‘ ich schon an ihn / und warte mit Verlangen
Auff ihn und seinen Trost. * Gantz Israel sol hangen
Mit seinen Hoffnungen und Seufftzen / HERR / an dir /
Denn bloß bey dir allein ist Gnade für und für.
Du bist die Gnade selbst. Wohl! hoffet all‘ ihr Frommen /
Wir wollen doch durch ihn zur alten Freyheit kommen.
Erlösung hat er gnung. * Und Er / der trewe Gott /
Wird Jacob machen loß von aller Schuld und Noth.

Gedichte Der CXXX. Psalm - Fleming